KZV Geschichte 1989-2007

KZV Geschichte 1989-2007 Bissingen Teck

Teil 6 der KZV Geschichte 1989-2007:

Die lange Suche nach einem eigenen Ort

1989 hatte der Kleintierzuchtverein Bissingen auf 75 Jahre Vereinsgeschichte zurückgeblickt. Die Festschrift zeichnete das Bild eines Vereins, der nach langen Jahrzehnten gut aufgestellt war: Jungtierschau, Göckelesfest, Festzelt, Hähnchengrills, Ausstellungsmaterial und ein neuer Vereinsschuppen gehörten inzwischen zur Vereinswirklichkeit.

Doch nach einem Jubiläum geht die Arbeit weiter. Was 1989 erreicht war, beantwortete noch nicht die Frage, wie der Verein in den kommenden Jahrzehnten bestehen sollte. Die Kleintierzucht veränderte sich. Private Flächen wurden knapper, Wohngebiete dichter, Anforderungen höher. Was früher in Gärten, Höfen, Ställen und Schuppen möglich war, liess sich nicht mehr überall selbstverständlich fortführen.

Nach und nach rückte deshalb ein Thema in den Mittelpunkt, das den KZV über viele Jahre begleiten sollte: ein eigener Ort für die Zucht. Nicht nur ein Platz für Sitzungen oder Material. Sondern eine Anlage, auf der Kleintierzucht auch in Zukunft möglich bleiben sollte.

1990: Deutschland verändert sich

Bevor die Suche des KZV konkret wurde, veränderte sich Deutschland grundlegend. Am 3. Oktober 1990 trat die Deutsche Demokratische Republik der Bundesrepublik Deutschland bei. Die staatliche Einheit war vollzogen. Nach Jahrzehnten der Teilung begann eine neue Epoche.

LeMO / Haus der Geschichte: Deutsche Einheit

Im selben Jahr wurde Deutschland Fussball-Weltmeister. In Rom gewann die deutsche Nationalmannschaft das Finale gegen Argentinien. Für viele Menschen gehört dieses Turnier bis heute zu den grossen Bildern der Nachwendezeit: ein Land im Umbruch, ein sportlicher Triumph, ein kurzer Moment gemeinsamer Freude.

LeMO / Haus der Geschichte: Jahreschronik 1990

Auch technisch begann um 1990 etwas Neues. Tim Berners-Lee entwickelte am CERN die Grundlagen des World Wide Web. Was zunächst ein wissenschaftliches Informationssystem war, sollte wenige Jahre später Kommunikation, Öffentlichkeit, Vereine, Verwaltungen und das alltägliche Leben tiefgreifend verändern.

CERN: The birth of the Web

Für den KZV waren diese grossen Entwicklungen nicht der tägliche Vereinsplan. In Bissingen ging es um Tiere, Feste, Sitzungen, Helfer, Material und irgendwann um die Frage nach einem geeigneten Gelände. Aber gerade der Blick auf diese Jahre zeigt: Während Deutschland, Europa und die digitale Welt neu sortiert wurden, suchte auch der KZV im Kleinen nach seinem künftigen Platz.

1992: Erste Überlegungen zur Zuchtanlage

1992 wurden im Verein erstmals konkrete Überlegungen zum Bau einer Zuchtanlage angestellt. Nicht alle waren überzeugt. Einige Mitglieder hielten eine solche Anlage für überflüssig. Das ist verständlich, wenn man die Vereinsgeschichte bis dahin betrachtet: Über Jahrzehnte hatten die Züchter ihre Tiere selbst untergebracht. Jeder hatte seine eigenen Möglichkeiten, seine eigenen Ställe, seine eigenen Lösungen.

Doch was lange funktioniert hatte, musste nicht automatisch für immer tragen. Eine gemeinsame Zuchtanlage bedeutete einen anderen Schritt. Sie hätte den Verein stärker gebunden, grössere Planung verlangt und neue Verantwortung mit sich gebracht.

Im Herbst 1992 wurde der damalige Vorsitzende Karl Maier bei der Gemeinde wegen eines Geländes vorstellig. Angeboten wurde ein Gelände an der Haubrücke. Der Verein war davon jedoch nicht begeistert. Am 20. November 1993 wurde der Plan zunächst auf Eis gelegt.

Damit war die Idee nicht gescheitert, aber sie ruhte. Und manchmal ist genau das der Anfang einer langen Geschichte: Ein Gedanke taucht auf, findet noch keinen passenden Ort, verschwindet für eine Weile – und kommt später wieder.

1994: Norbert Maier greift das Thema wieder auf

Im Juni 1994 wurde das Thema Zuchtanlage unter dem neuen Vorsitzenden Norbert Maier wieder aufgegriffen. Bürgermeister Wolfgang Kümmerle wollte konkrete Vorschläge für ein geeignetes Gelände. Damit verlagerte sich die Diskussion: Es ging nicht mehr nur darum, ob der Verein eine Anlage wollte, sondern wo sie überhaupt entstehen könnte.

Norbert Maier wurde damit zur prägenden Figur der jüngeren Vereinsgeschichte. Seit 1994 stand er an der Spitze des KZV. Die Suche nach einem Gelände, die späteren Planungen, die Erschliessung, das Vereinsheim und die Zuchtanlage sollten seine Amtszeit über viele Jahre begleiten.

Ein solches Projekt beginnt selten geschlossen. Es braucht Überzeugung im Vorstand, Zustimmung im Verein, Gesprächsbereitschaft in der Gemeinde und Menschen, die sich mit Grundstücken, Plänen und Kosten befassen. 1994 war noch nicht absehbar, wie lange dieser Weg werden würde. Aber die Richtung war wieder aufgenommen.

1995: Ein Bauausschuss wird gegründet

1995 gründete der Verein einen Bauausschuss mit zehn Personen. Das war ein wichtiger Schritt. Die Idee bekam eine Arbeitsform. Aus allgemeinen Überlegungen wurde ein Thema, das vorbereitet, geprüft und weiterentwickelt werden sollte.

Ein Bauausschuss klingt nüchtern. Doch gerade solche Gremien sind in Vereinsgeschichten oft entscheidend. Dort wird nicht gefeiert, sondern gesammelt, verglichen, nachgefragt und abgewogen. Dort entstehen keine grossen Bilder, aber Grundlagen für spätere Entscheidungen.

Für den KZV bedeutete dieser Ausschuss: Die Zuchtanlage war nicht mehr nur ein Wunsch einzelner Mitglieder. Sie war zu einer Aufgabe des Vereins geworden.

1996: Namen, Parzellen und neue Zurückhaltung

1996 kam das Projekt erneut ins Stocken. Mehrere Interessenten sprangen ab, nachdem Bürgermeister Wolfgang Kümmerle namentlich wissen wollte, wer tatsächlich Interesse an einer Zuchtparzelle hatte.

Auch dieser Moment ist typisch für viele Vereinsprojekte. Solange eine Idee allgemein bleibt, lässt sich leichter zustimmen. Wenn sie konkret wird, ändern sich die Fragen. Wer macht wirklich mit? Wer übernimmt eine Parzelle? Wer trägt Kosten? Wer verpflichtet sich langfristig?

Der KZV musste erleben, dass Zustimmung im Grundsatz und verbindliche Beteiligung nicht dasselbe sind. Das Projekt ruhte wieder. Doch es verschwand nicht.

Europa rückt zusammen, der Verein sucht weiter

In denselben Jahren veränderte sich Europa. 1993 trat der Vertrag von Maastricht in Kraft. Aus der Europäischen Gemeinschaft wurde die Europäische Union. Der Vertrag legte auch Grundlagen für die gemeinsame Währung, die später als Euro eingeführt wurde.

Europäische Union: Die Geschichte der EU 1990–1999

1999 wurde der Euro zunächst als Buchgeld eingeführt. Münzen und Scheine sollten erst 2002 folgen, doch die wirtschaftliche und politische Richtung war gesetzt. Europa ordnete sich neu, die Welt wurde vernetzter, die neunziger Jahre wurden zu einem Jahrzehnt des Übergangs.

Europäische Zentralbank: Einführung des Euro

In Bissingen waren die Fragen kleiner, aber nicht weniger konkret. Wo kann eine Zuchtanlage entstehen? Welches Gelände ist geeignet? Wer stimmt zu? Wer lehnt ab? Wer trägt das Projekt mit? Während Europa Verträge schloss und gemeinsame Strukturen entwickelte, arbeitete der KZV an seiner eigenen Struktur im Kleinen.

1998: Gässle, Segelflugplatz und neue Vorschläge

1998 wurde das Projekt wieder aufgenommen. Als Gelände schlug der Verein das „Gässle“ beim Segelflugplatz vor. Bürgermeister Wolfgang Kümmerle war nicht abgeneigt, doch der Gemeinderat lehnte ab und wollte andere Vorschläge.

Damit begann eine Phase, in der verschiedene Standorte geprüft, verworfen oder abgelehnt wurden. Neben dem „Gässle“ kam der „Eiserne Hof“ ins Gespräch. Später folgten weitere Vorschläge wie „Hau“, „Sörbach“ und schliesslich die „Europagärten“.

Diese Abfolge liest sich fast wie eine Wanderung über die Gemarkung. Doch dahinter standen ernsthafte Fragen: Erreichbarkeit, Nachbarschaft, Nutzung, Genehmigungsfähigkeit, Akzeptanz und langfristige Eignung. Eine Zuchtanlage braucht nicht irgendein Grundstück. Sie braucht einen Ort, an dem Tiere gehalten werden können, ohne dass sofort neue Konflikte entstehen.

2000 und 2001: Ablehnungen und Widerstand

Im Jahr 2000 kaufte Familie Möhl das Gelände am Eisernen Hof. Trotzdem wurde ein Vorprüfungsverfahren für den Bau einer Zuchtanlage eingeleitet. Im November 2000 wurde das Gelände im Hau vom Gemeinderat abgelehnt.

2001 schlug die Gemeinde den Standort „Sörbach“ vor. Dieser wurde später vom Landratsamt abgelehnt. Ende 2001 wurde auch der Standort Hau abgelehnt. Hinzu kam eine Unterschriftensammlung von Anwohnern.

Das zeigt, wie schwierig die Suche geworden war. Der Verein wollte eine Lösung. Die Gemeinde brachte Vorschläge ein. Der Gemeinderat entschied. Das Landratsamt prüfte. Anwohner meldeten Bedenken an. Aus einer Vereinsidee war ein öffentliches Vorhaben geworden.

Für den KZV bedeutete das: weiter suchen. Nicht, weil nichts geschehen wäre, sondern weil fast jeder Schritt neue Fragen aufwarf.

2001: Ein Einschnitt in der Weltgeschichte

Das Jahr 2001 steht weltweit für den 11. September. Die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon veränderten die internationale Politik, das Sicherheitsdenken und das Lebensgefühl vieler Menschen. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt den 11. September 2001 als Zäsur, deren Folgen weit über die USA hinausreichten.

Bundeszentrale für politische Bildung: 9/11 und die Folgen

Im KZV ging es im selben Jahr nicht um Weltpolitik, sondern um Gelände, Genehmigungen und Ablehnungen. Genau dieser Kontrast ist typisch für eine Vereinschronik: Grosse Ereignisse bilden den Hintergrund, während vor Ort andere Fragen den Alltag bestimmen. Wer in Bissingen eine Zuchtanlage plante, musste nicht die Welt erklären. Er musste einen geeigneten Platz finden.

2002 bis 2004: Europagärten und Genehmigung

Ende 2002 kam von der Gemeinde der Vorschlag „Europagärten“. Als voraussichtlicher Standort wurde der Acker östlich der Kleingartenanlage genannt. Nach den vorherigen Stationen war das ein neuer Ansatz.

2003 kaufte die Gemeinde das Gelände. Damit bekam das Projekt eine andere Verbindlichkeit. Zum ersten Mal schien die Standortfrage nicht nur diskutiert, sondern greifbar gelöst.

2004 wurde die Zuchtanlage geplant und Ende des Jahres genehmigt. Nach mehr als einem Jahrzehnt aus Überlegungen, Ablehnungen, ruhenden Phasen und neuen Vorschlägen war das ein entscheidender Schritt. Noch war nichts gebaut. Aber der Verein hatte nun eine genehmigte Grundlage.

Was 1992 als erste Überlegung begonnen hatte, war 2004 nicht mehr nur ein Wunsch. Es war ein geplantes und genehmigtes Vorhaben.

2005: Die äussere Erschliessung beginnt

Am 9. und 10. Dezember 2005 begann die äussere Erschliessung. Damit wurde die Zuchtanlage zum ersten Mal ganz praktisch sichtbar. Nach Jahren der Suche ging es nun nicht mehr nur um Lagepläne, Sitzungen und Entscheidungen. Es ging um Arbeiten vor Ort.

Ein solcher Beginn ist unspektakulär und zugleich wichtig. Er verändert die Wahrnehmung. Solange ein Projekt nur in Akten und Gesprächen existiert, bleibt es für viele abstrakt. Wenn die Erschliessung beginnt, bekommt es Kontur.

2005 war auch für Deutschland ein politisches Übergangsjahr. Nach der Bundestagswahl wurde Angela Merkel erste Bundeskanzlerin der Bundesrepublik. Die Jahreschronik des Hauses der Geschichte ordnet dieses Jahr als Teil einer veränderten politischen und gesellschaftlichen Lage ein.

LeMO / Haus der Geschichte: Jahreschronik 2005

Für den KZV war 2005 vor allem das Jahr, in dem der lange Weg vom Standortvorschlag zur tatsächlichen Erschliessung führte.

2006: Sommermärchen und Unterquerung der Steige

Im Frühjahr 2006 folgte die Unterquerung der Steige und die Erschliessung bis zum Gelände. Wieder war es ein technischer Schritt, aber ein notwendiger. Wege, Leitungen und Anschlüsse sind keine grossen Erzählbilder – und doch entscheidet sich an ihnen, ob aus einem Gelände später ein nutzbarer Ort werden kann.

Im selben Jahr erlebte Deutschland die Fussball-Weltmeisterschaft im eigenen Land. Das sogenannte Sommermärchen von 2006 blieb vielen Menschen als freundliche, offene und ungewöhnlich heitere Zeit in Erinnerung. Das Haus der Geschichte führt die Weltmeisterschaft als eines der prägenden Ereignisse dieses Jahres.

LeMO / Haus der Geschichte: Jahreschronik 2006

In Bissingen ging es nicht um Stadien, Public Viewing oder Fahnenmeere. Beim KZV ging es um die Erschliessung eines Geländes. Aber auch das gehört zum Bild jener Zeit: Während ein Land feierte, wurde an anderer Stelle gearbeitet. Leise, lokal, praktisch.

2007: Die innere Erschliessung

Im Sommer 2007 folgte die innere Erschliessung. Damit war ein weiterer wichtiger Abschnitt erreicht. Das Gelände war nicht mehr nur ausgesucht, gekauft und genehmigt. Es wurde Schritt für Schritt vorbereitet.

Von den ersten Überlegungen 1992 bis zur inneren Erschliessung 2007 waren fünfzehn Jahre vergangen. Fünfzehn Jahre, in denen der Plan auf Eis lag, wieder aufgenommen wurde, Interessenten absprangen, Standorte vorgeschlagen und abgelehnt wurden, Anwohner Bedenken anmeldeten, die Gemeinde ein Gelände kaufte und schliesslich eine Genehmigung vorlag.

Diese Jahre erzählen nicht von einem geraden Weg. Sie erzählen von Umwegen. Von Wartezeiten. Von Entscheidungen, die wieder neu geprüft werden mussten. Von einem Verein, der immer wieder an denselben Punkt zurückkam: Die Kleintierzucht braucht einen Ort, wenn sie Zukunft haben soll.

Was diese Jahre erzählen

Die Jahre von 1989 bis 2007 sind in der Geschichte des KZV keine Baugeschichte im engeren Sinn. Sie sind die Geschichte einer Suche. Nach einem Gelände, nach Zustimmung, nach Verbindlichkeit und nach einer Form, in der Kleintierzucht auch künftig möglich bleibt.

Am Anfang stand ein Verein, der 1989 auf 75 Jahre zurückblickte. Dann kamen erste Überlegungen unter Karl Maier, ein Plan an der Haubrücke, das Auf-Eis-Legen 1993, der Neustart unter Norbert Maier, ein Bauausschuss, abspringende Interessenten, mehrere Standortvorschläge, Ablehnungen, Anwohnerproteste, der Vorschlag Europagärten, der Grundstückskauf durch die Gemeinde, die Genehmigung und schliesslich die Erschliessung.

So nüchtern diese Stationen klingen, so viel erzählen sie über den Verein. Nicht, weil jeder Schritt erfolgreich war. Sondern weil die Idee trotz der Rückschläge blieb.

2007 hatte der KZV noch kein Vereinsheim und keine fertige Zuchtanlage. Aber er hatte ein Gelände, eine Genehmigung und eine Erschliessung. Damit war die Suche nicht abgeschlossen, aber sie hatte erstmals festen Boden unter den Füssen.

Damit war der Ort gefunden. Nun musste der Verein entscheiden, was daraus zuerst werden sollte.

Quellen und weiterführende Hinweise

Interne Grundlage:
Timeline von Norbert Maier zur Historie von Vereinsheim und Zuchtanlage, insbesondere die Angaben zu den ersten Überlegungen 1992, dem Gelände an der Haubrücke, dem Neustart 1994, dem Bauausschuss 1995, den Standortvorschlägen zwischen 1998 und 2002, dem Grundstückskauf 2003, der Genehmigung 2004 sowie der äusseren und inneren Erschliessung 2005 bis 2007.

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