KZV Geschichte 1971-1989

KZV Geschichte 1971-1989 Bissingen Teck

Teil 5: KZV Geschichte 1971-1989

Göckelesfest, Festzelt und der KZV als feste Grösse in Bissingen

Manche Entwicklungen beginnen mit einem Plan. Andere beginnen mit einer Notlösung. Beim Kleintierzuchtverein Bissingen war es Anfang der siebziger Jahre eher das Zweite. Der Verein hatte mit der Jungtierschau und dem Sommerfest in Nabern einen Weg gefunden, der funktionierte. Doch dann musste er sich ein neues Domizil suchen.

Was zunächst wie ein Problem aussah, wurde zu einem der wichtigsten Wendepunkte der Vereinsgeschichte. Denn der KZV kehrte zurück nach Bissingen. Und aus dieser Rückkehr entwickelte sich nach und nach das, was den Verein bis heute in der Erinnerung vieler Menschen prägt: Jungtierschau, Göckelesfest, Festzelt, Grillduft, Arbeitseinsätze, Vereinsgemeinschaft und ein fester Platz im Bissinger Jahreslauf.

Die Jahre von 1971 bis 1989 erzählen deshalb nicht nur von Veranstaltungen. Sie erzählen davon, wie aus einem Kleintierzuchtverein mit Ausstellungen eine sichtbare Grösse im örtlichen Leben wurde.

1971: Karl Maier übernimmt wieder Verantwortung

Am Anfang dieser Phase steht erneut Karl Maier. Nachdem Karl Emmenegger während der Vorbereitungen zur Jungtierschau sein Amt niedergelegt hatte, wurde Karl Maier wieder zum Vorsitzenden gewählt. Er hatte bei seinem ersten Rücktritt versprochen, im Notfall wieder für den Verein da zu sein. Nun war dieser Notfall gekommen.

Die Rückkehr Karl Maiers war für den KZV mehr als ein Wechsel im Vorstand. Sie verband die ruhigere Phase ab 1960 mit einer neuen Aufbauzeit. Karl Maier kannte den Verein, kannte seine Menschen und kannte auch die Schwierigkeiten, die entstehen konnten, wenn Veranstaltungen grösser wurden als die Strukturen dahinter.

In den späteren Grussworten zum 75-jährigen Jubiläum wird seine Rolle deutlich gewürdigt. Der Kreisverband der Kaninchenzüchter beschreibt den Verein als rührig und aufwärtsstrebend und nennt das Festzelt mit dem berühmten Göckelesfest ausdrücklich als sichtbares Zeichen dieser Entwicklung. Diese Entwicklung sei nicht zuletzt ein Verdienst Karl Maiers, der die Geschicke des Vereins mit Idealismus und Zielstrebigkeit wahrgenommen habe.

1972: Zurück nach Bissingen

1972 wurde dem Verein von der Firma Mühlberger gekündigt. Die Jungtierschau mit Sommerfest konnte nicht mehr wie bisher in Nabern stattfinden. Der KZV musste sich ein neues Domizil suchen.

Was lag näher, als die alte Turnhalle in Bissingen wieder zu benutzen?

So nüchtern lässt sich dieser Schritt beschreiben. Doch in der Vereinsgeschichte hatte er Gewicht. Die Rückkehr nach Bissingen war nicht nur eine räumliche Entscheidung. Sie brachte den Verein wieder stärker in seine Heimatgemeinde zurück. Das damals noch als Sommerfest bezeichnete Fest wurde sofort ein voller Erfolg. Die Chronik hält fest, dass der Verein erkannte, in seiner Heimatgemeinde doch am besten aufgehoben zu sein.

Dieser Satz ist schlicht, aber er trägt viel. Ein Verein kann ausweichen, sich arrangieren, Räume finden, Hallen nutzen. Aber Heimat entsteht dort, wo Menschen den Verein kennen, wo Besucher nicht lange überlegen müssen, wo sie hingehen, wo Helfer, Familien, Nachbarn und Gäste zusammenkommen. Für den KZV war Bissingen dieser Ort.

Ein Dorf, ein Verein und eine veränderte Zeit

Die frühen siebziger Jahre waren auch ausserhalb des Vereins eine Zeit des Umbruchs. Baden-Württemberg erlebte die Kreisreform von 1973. Zum 1. Januar 1973 wurden die bisherigen Landkreise Esslingen und Nürtingen aufgelöst und aus ihren Gebietsbestandteilen der neue Landkreis Esslingen gebildet.

Landkreis Esslingen: Verwaltungsgliederung bis 1973

Auch Bissingen veränderte sich in dieser Zeit. LEO-BW hält fest, dass Ochsenwang im Zuge der Gebietsreform 1975 zur Gemeinde Bissingen kam und Bissingen seit 1974 Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Weilheim ist.

LEO-BW: Bissingen an der Teck

Solche Reformen erklären nicht die Entwicklung des KZV. Aber sie zeigen, in welcher Zeit der Verein seinen Platz neu festigte. Verwaltung, Gemeinden und Landkreise wurden neu geordnet; zugleich suchten Menschen vor Ort weiterhin nach vertrauten Orten der Gemeinschaft. Vereine, Feste und wiederkehrende Veranstaltungen konnten gerade in einer solchen Zeit Verlässlichkeit schaffen.

Die Bundesrepublik der siebziger und achtziger Jahre war von gesellschaftlichem Wandel geprägt. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt diese Zeit als Phase tiefgreifender Veränderungen in Gesellschaft, Alltag und Kultur. Freizeit, Mobilität, Konsum, neue Lebensstile und wachsende Vielfalt prägten den Alltag stärker als in den frühen Nachkriegsjahren.

Bundeszentrale für politische Bildung: Gesellschaft, Alltag und Kultur in den 70er- und 80er-Jahren

Für den KZV bedeutete diese Zeit nicht automatisch einfachere Arbeit. Aber sie bot einen Hintergrund, in dem Vereinsfeste, Ausstellungen und gesellige Begegnungen einen besonderen Stellenwert bekommen konnten. Wer gemeinsam Tiere zeigte, ein Zelt aufbaute, Speisen vorbereitete und Gäste bewirtete, schuf mehr als eine Veranstaltung. Er schuf einen Ort, an dem ein Dorf sich begegnete.

Aus Sommerfest wird Göckelesfest

In den beiden Jahren nach der Rückkehr nach Bissingen wurde zunächst ein Zelt angemietet. Dann kam ein Vorschlag, der für den Verein prägend werden sollte. Kassier Willi Herrmann regte an, aus der Jungtierschau mit Sommerfest ein Göckelesfest mit Jungtierschau zu machen. Karl Maier hatte dem Verein bereits einen Hähnchengrill für 70 Hähnchen gestiftet.

Manchmal braucht eine grosse Tradition genau solche praktischen Anfänge: ein Zelt, ein Grill, ein Vorschlag, ein paar Menschen, die bereit sind, die zusätzliche Arbeit auf sich zu nehmen.

Das Göckelesfest mit Jungtierschau wurde durchgeführt – und es wurde ein Erfolg. Die Chronik hält knapp fest: bis heute mit bestem Erfolg. Hinter dieser kurzen Formulierung steht viel Arbeit. Hähnchen mussten vorbereitet, gegrillt und ausgegeben werden. Tische und Bänke mussten stehen. Tiere mussten untergebracht, Käfige aufgebaut, Besucher empfangen, Dienste eingeteilt und am Ende alles wieder abgebaut werden.

Ein Fest entsteht nicht am Festtag. Es entsteht in den Wochen davor. In Gesprächen, Listen, Einkäufen, Fahrten, Helfereinteilungen, Werkzeugkisten, geliehenem Material, frühen Morgenstunden und späten Abenden. Für Besucher bleibt oft der Duft vom Grill, das Stimmengewirr im Zelt, der Blick auf die Tiere, das Wiedersehen mit Bekannten. Für den Verein bleibt zusätzlich die Erinnerung an die Arbeit, die dahintersteht.

Das eigene Festzelt

Mit dem Erfolg wuchs auch der Anspruch. Ein angemietetes Zelt war auf Dauer nicht genug. Karl Maier drängte darauf, ein eigenes Festzelt zu bauen. Die Chronik nennt für die Umsetzung dieses Vorhabens das Jahr 1976; im Grusswort zum Jubiläum erinnert Karl Maier daran, dass 1977 ein eigenes Festzelt gebaut werden konnte. In jedem Fall steht fest: Mitte der siebziger Jahre schuf der Verein sich eine Grundlage, die seine Veranstaltungen dauerhaft veränderte.

Ein eigenes Festzelt ist mehr als Material. Es ist Unabhängigkeit. Es ist Planungssicherheit. Es ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass ein Verein an seine eigene Zukunft glaubt. Wer ein Zelt besitzt, denkt nicht nur an das nächste Fest. Er denkt an viele kommende Feste.

Das Zelt wurde zu einem Symbol für den Aufstieg des KZV in dieser Phase. Es zeigte: Der Verein war nicht mehr nur auf fremde Räume angewiesen. Er konnte selbst aufbauen, selbst gestalten, selbst Gastgeber sein. Das Göckelesfest und die Jungtierschau bekamen damit einen Rahmen, der Jahr für Jahr wieder entstehen konnte.

Hähnchengrills, Käfige und Volieren

Nach dem Kauf von drei neuen Hähnchengrills sah sich der Verein beim alljährlichen Göckelesfest jedem Ansturm gewachsen. Auch Käfige, Volieren und anderes Ausstellungsmaterial waren zum Zeitpunkt des Jubiläums auf dem neuesten Stand und ausreichend vorhanden.

Diese Sätze aus der Chronik klingen zunächst sachlich. Aber sie erzählen von einer erheblichen Entwicklung. Material ist in einem Verein nie nur Material. Es ist angesparte Arbeit. Es ist Planung. Es ist die Entscheidung, Geld nicht nur auszugeben, sondern in die Zukunft des Vereins zu investieren.

Käfige und Volieren stehen für den züchterischen Anspruch. Hähnchengrills und Festzelt stehen für die Festkultur. Beides zusammen machte den KZV in dieser Zeit aus. Der Verein wollte Tiere zeigen und Gäste bewirten. Er wollte fachlich ernst genommen werden und zugleich Menschen anziehen, die vielleicht nicht selbst züchteten, aber gerne zum Fest kamen.

So wuchs die Bedeutung des Vereins über den Kreis der Züchter hinaus. Die Jungtierschau blieb züchterischer Kern. Das Göckelesfest öffnete den Verein stärker zur Gemeinde.

Vom Ausstellungsverein zur festen Grösse im Ort

In den Grussworten zum 75-jährigen Jubiläum wird mehrfach deutlich, welches Ansehen sich der KZV in dieser Zeit erarbeitet hatte. Der Kreisverband der Rassegeflügelzüchter würdigte, dass der Verein trotz überschaubarer Mitgliederzahl eine Entwicklung genommen habe, insbesondere im Ausstellungswesen, die richtungsweisend für viele Vereine im Kreisverband Nürtingen gewesen sei.

Auch Karl Maier selbst schrieb, der Verein stehe nach 75 Jahren mit seinen Erfolgen und seinem Wirken mit an erster Stelle im Kreisverband. Solche Formulierungen gehören zur Sprache eines Jubiläums. Aber sie zeigen dennoch, wie der Verein sich selbst sah und wie er von anderen wahrgenommen wurde: nicht als grosser Verein nach Mitgliederzahl, sondern als Verein mit besonderer Leistungskraft.

Diese Leistungskraft entstand nicht aus Zufall. Sie entstand aus einer starken Gemeinschaft, aus praktischer Arbeit, aus züchterischem Anspruch und aus der Fähigkeit, Veranstaltungen zu entwickeln, die über den engen Vereinskreis hinaus wirkten.

1989: Ein Schuppen, ein Jubiläum und ein Zwischenfazit

Im Jubiläumsjahr 1989 konnte der schon lange geplante Vereinsschuppen fertiggestellt werden. Damit war ein weiteres praktisches Problem gelöst: die Aufbewahrung von Material. Wer ein Festzelt, Käfige, Volieren, Grills und anderes Ausstellungsmaterial besitzt, braucht Platz. Der Vereinsschuppen war deshalb kein Nebenschauplatz, sondern ein wichtiger Baustein der gewachsenen Vereinsstruktur.

Zum 75-jährigen Jubiläum zog Karl Maier in der Chronik ein klares Fazit: Der Verein sei züchterisch, materiell und finanziell bestens gestellt.

Dieser Satz markiert einen Höhepunkt. 75 Jahre nach der Gründung im schweren Jahr 1914 stand der KZV nicht mehr im Nebel seiner Anfänge. Er hatte Kriege, verlorene Unterlagen, schwierige Nachkriegsjahre, interne Auseinandersetzungen und organisatorische Herausforderungen überstanden. Er hatte eine Jungtierschau aufgebaut, ein Göckelesfest entwickelt, ein eigenes Festzelt geschaffen, Material angeschafft und einen Vereinsschuppen gebaut.

Aus der kleinen Vereinsgeschichte war ein Stück Bissinger Ortsgeschichte geworden.

Was diese Jahre bedeuten

Die Jahre 1971 bis 1989 erzählen vom Sichtbarwerden. Der KZV war nicht plötzlich gross geworden. Er war gewachsen, Schritt für Schritt. Durch Rückkehr nach Bissingen. Durch ein gelungenes Sommerfest. Durch den Vorschlag eines Kassiers. Durch einen gestifteten Hähnchengrill. Durch den Mut, ein Göckelesfest zu beginnen. Durch den Bau eines eigenen Festzelts. Durch Material, das gepflegt und erweitert wurde. Durch Mitglieder, die anpackten.

Vielleicht liegt gerade darin die schönste Wahrheit dieser Phase: Grosse Vereinsgeschichte entsteht oft aus sehr praktischen Dingen. Aus Zelten, Grills, Käfigen, Schuppen, Diensten, Versammlungen und Menschen, die Verantwortung übernehmen. Was später Tradition heisst, war am Anfang meist Arbeit.

1989 endete diese Etappe mit Stolz. Der Verein feierte sein 75-jähriges Bestehen und konnte auf eine Entwicklung zurückblicken, die nicht selbstverständlich war. Aus unruhigen Jahren war Stabilität geworden. Aus einer Jungtierschau war ein Fest entstanden. Aus einem Verein war eine feste Grösse in Bissingen geworden.

Die Geschichte des KZV war damit aber nicht abgeschlossen. Nach 1989 warteten neue Jahrzehnte, neue Anforderungen und neue Fragen: Wie verändert sich Kleintierzucht weiter? Wie bleibt ein Verein attraktiv? Wie werden Feste organisiert, wenn Aufwand und Erwartungen steigen? Wie trägt man Tradition in eine Gegenwart, die sich immer schneller verändert?

Diese Fragen führen zum sechsten Teil der Serie. Er wird die Geschichte von 1990 bis 2026 fortschreiben – von der Festschrift bis in die Gegenwart des Kleintierzuchtvereins Bissingen-Teck.

Quellen und weiterführende Hinweise

Interne Grundlage:
Festschrift „75 Jahre Kleintierzuchtverein Bissingen an der Teck“, insbesondere Vereinschronik, Grussworte zum 75-jährigen Jubiläum sowie Angaben zu Karl Maier, Willi Herrmann, Jungtierschau, Göckelesfest, Festzelt, Hähnchengrills, Ausstellungsmaterial und Vereinsschuppen.

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